War ich schon immer Christ, werde ich öfters gefragt. Nein, war ich nicht. Hier ist meine Geschichte, wie alles begann, mit Gott und mir.

„Hast du heute Zeit?“, fragte ich am Telefon meine Berufsschulkollegin Karin gespannt. Sie war mir gleich als recht sympathische junge Frau aufgefallen. Ich wollte gerne ein näheres Kennenlernen herbeiführen. „Ich kann leider nicht, heute Abend ist Jugendstunde in unserer Gemeinde!“, kam die prompte Antwort. Nach einem Moment Ruhe stellte sie zögerlich die Frage: „Willst du nicht mitkommen?“. Auf meine Nachfrage erklärte mir Karin, sie sei in einer  evangelisch freikirchlichen Gemeinde und die Jugend träfe sich freitags abends immer zum Austausch und Gebet. Meine Neugier war geweckt.

Bei Karin angekommen informierte ich mich dann erst einmal genauer über die Gemeinde und den Abend. „Christ sein“, bedeutete für mich entweder katholisch oder evangelisch zu sein. Ich war katholisch. Das letzte Mal hatte ich eine Kirche von innen allerdings vor 4 Jahren bei meiner Firmung gesehen. An Gott glaubte ich, irgendwie, an Horoskope aber auch. „Fromm sein“ setzte ich gleich mit „alternativ“. Mit dicken selbst gestrickten Lammwollpullovern und Jesuslatschen, so stellte ich mir Christen damals vor. Nachdem uns ein ziemlich gut aussehender junger Mann mit seinem Auto abholte und wir in der Gemeinde ankamen, schmiss ich sofort alle meine Vorurteile über Bord. Die ganzen Jungendlichen sahen ziemlich „normal“ aus. Nichts Exotisches, Andersartiges oder gar Alternatives hatten sie an sich. Aber freundlich waren sie.

Der Jugendleiter begrüßte alle, vor allen Dingen mich, da ich das erst Mal dabei war, und dann fingen alle an zu singen. Diese Art von Liedern – sie nannten es Lobpreis – waren mir völlig fremd aber ich sang mit und es gefiel mir recht gut. Was mich am meisten beeindruckte war, dass diese völlig normal aussehenden Jungen und Mädchen ihre Augen schlossen und in einer hingebungsvollen Art und Weise beteten, dass ich selber total ergriffen war. Das hatte ich noch nie gesehen. Zudem sprach der damalige Gastprediger Ingolf Elßel über das Thema „Nachfolge“ und was es bedeutete. Bis dahin hatte ich noch nie so klar Gottes Wort verstanden. Ich wollte mehr erfahren.

Also beschloss ich am kommenden Sonntag den Gottesdienst zu besuchen. Die Eltern meiner Schulkameradin holten mich ab. An diesem Morgen erlebte ich eine ähnliche Hingabe der Gemeindemitglieder und war wieder sehr ergriffen. In der Gemeinde gab es einen Büchertisch mit einigen christlichen Büchern, unter anderem auch einigen Bibeln. Als Katholikin hatte ich wohl mein Gesangbuch, aber eine Bibel besaß ich nicht. Ich kaufte mir eine und fing in den nächsten Tagen und Wochen an zu lesen. Das alles war absolut neu für mich. Jeden Freitag und jeden Sonntag ging ich in die Gemeinde und lernte viele neue Leute kennen. Zwischen Karin und mir entwickelte sich eine Freundschaft und ich merkte, dass eine Wende in meinem Leben geschah.

Solange ich zurückdenken konnte hatte ich in meinem Leben Ablehnung erfahren. Die sehr schwierige Ehe meiner Eltern wurde geschieden, als ich 12 Jahre alt war. Da meine Eltern sehr mit sich selbst und ihrer Situaton beschäftigt waren, blieb nicht so viel Zeit die emotionalen Bedürfnisse ihrer Kinder zu stillen. Auch in der Schule war ich eher ein Außenseiter. Ich fing an meine Umwelt mit erfundenen Geschichten zu beeindrucken um doch irgendwie Anerkennung zu finden. Glücklich war ich dabei nie. Nach der Scheidung lebte ich 4 Jahre bei meinem Vater und seiner neuen Freundin bis ich aufgrund von extremen Generationskonflikten zu meiner Mutter zog. Mit relativ viel Minderwertigkeit aufgrund meiner eher schwierigen Kindheit versuchte ich mir hier an meinem neuen Wohnort ein neues Leben aufzubauen. Mit gerade 18 Jahren von der Schule abgegangen war ich dankbar für meinen Ausbildungsplatz, hatte einen festen Freund, zog am Wochenende durch die Discos und dachte, mein Leben sei so ganz in Ordnung.

Aus dieser Normalität des Alltags herausgerissen machte ich nun eine ganz neue Erfahrung. Noch nie in meinem Leben habe ich so viel Annahme erfahren wie in dieser Kirchengemeinde. Nirgendwo ist mir so viel Sympathie entgegengebracht worden wie hier. Hier konnte ich echt sein, brauchte mich nicht zu verstellen. Ich wurde so gemocht wie ich bin. Jeden Sonntag wurde ich von Karin und ihren Eltern zu Hause abgeholt, obwohl sie dafür einen Umweg fahren mussten, und nicht selten luden sie mich nach dem Gottesdienst zum Essen ein. Viele Gespräche haben wir damals geführt und ich fühlte mich sehr wohl in dieser Familie. Meine teilweisen sehr subtilen Ansichten ließen sie stehen und lebten mir ihr „Christ sein „ vor.

Zu Hause fing ich an die Bibel zu lesen. Am Abend vor Karfreitag kam ich zu der Stelle aus Matth. 10, 32- 33

Da sagt Jesus: „ Wer nun mich bekennt vor den Menschen, den werde ich bekennen vor meinem himmlischen Vater. Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den werde ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater.“

Ich las diese Stelle immer wieder und stellte mir selbst die Frage: „Kannte ich Jesus? Wie kann man ihn denn kennen? Was bedeutete das, und was hat das für Folgen?“. Mit diesen Fragen und einem Gebet im Herzen schlief ich ein. Am nächsten Morgen, Karfreitag, den 5. April 1985 wurde ich wieder zum Gottesdienst abgeholt.

Während des ganzen vormittags ging es in den Liedern nur darum, dass Jesus für unsere Sünden gestorben sei. Ich war ergriffen aber so richtig konnte ich die Bedeutung nicht fassen. Dann leitete der Pastor das Abendmahl ein. Es war das erste Mal in dieser Kirche, dass ich ein Abendmahl mitbekam. Er begann mit den Worten: „Wer nun aber unwürdig den Leib des Herrn zu sich nimmt, der macht sich mit schuldig am Tod des Herrn“.

Damit war für mich klar. „Ich nehme es nicht!“.

Der Pastor sprach weiter: „ Wenn aber hier jemand unter euch ist, der Schuld auf sich geladen hat, und davon befreit werden möchte, der brauch nur zu sagen – vergib mir – ! Das klingt billig, das klingt einfach. Billig war es nicht. Es hat Jesus alles gekostet, aber einfach ist es. Du brauchst nur zu sagen – vergib mir -.“

Mir fielen spontan einige Dinge ein, von denen mir meine Freundin sagte, dass sie nicht in Ordnung waren. Bisher empfand ich keine Schuld aber in diesem Moment wurde mir bewusst, dass doch einiges in meinem Leben im Argen lag. Mein schlechtes Gewissen rührte sich und plötzlich kam die Wahrheit in mein Leben. Mir wurde bewusst, dass ich mein ganzes Leben nur auf Lügen gebaut hatte, ohne, dass ich mir dessen voll bewusst war. Das wollte ich verändern.

Tränen überströmt saß ich zwischen den anderen 400 Menschen in dieser Kirche und dachte, dass diese Worte nur an mich gerichtet seien. In meinem Herzen sagte ich immer wieder: „Vergib mir!“, und während die anderen ihre Häupter neigten und auf das Abendmahl warteten breitete sich in mir ein großer Frieden im Herzen aus. Ich murmelte auf meinem Platz immer wieder. „Vergib mir.“, dann kam der Teller mit dem Brot zu mir und ich nahm das erste Mal in meinem Leben bewusst den Leib des Herrn zu mir in dem Bewusstsein, dass er diesen für mich und meine Schuld hingegeben hat. Und ich trank aus dem Kelch mit der Gewissheit, dass durch sein Blut meine Sünden getilgt sind. Ich war bereit Jesus auf dieser Erde vor den Menschen zu bekennen.

Es gab keinen Aufruf, kein Übergabegebet. Es war meine Entscheidung, die ich ganz alleine meinem Gott mitteilte. Ich wusste damals noch nichts von „Bekehrung“ und deren Bedeutung. Jesus selbst hat mir die Notwendigkeit einer Entscheidung durch sein Wort offenbart.

Sehr viel später erkannte ich die Zusammenhänge, und dass es wirklich einer Entscheidung, der sogenannten „Wiedergeburt“ oder „Bekehrung“ wie wir das nennen bedarf, um in dieser Beziehung mit Jesus zu leben.


Jesus selbst erklärt es in Johannes 3

1 Eines Nachts kam ein Pharisäer mit Namen Nikodemus

2 zu Jesus, der zu den führenden Juden zählte. »Meister«, sagte er, »wir alle wissen, dass Gott dich gesandt hat, um uns zu lehren. Die Wunder, die du tust, beweisen, dass Gott mit dir ist.«

3 Jesus erwiderte: »Ich versichere dir: Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen.«

4 »Was meinst du damit?«, rief Nikodemus aus. »Wie kann denn ein alter Mensch wieder in den Leib seiner Mutter zurückkehren und zum zweiten Mal geboren werden?«

5 Jesus erwiderte: »Ich sage dir: Niemand kommt in das Reich Gottes, der nicht aus Wasser und Geist1 geboren wird.

6 Menschen können nur menschliches Leben hervorbringen, der Heilige Geist jedoch schenkt neues Leben von Gott her.

7 Darum wundere dich nicht, wenn ich sage, dass ihr von neuem geboren werden müsst.

8 Der Wind weht, wo er will. Du hörst ihn zwar, aber du kannst nicht sagen, woher er kommt oder wohin er geht. So kannst du auch nicht erklären, wie die Menschen aus dem Geist geboren werden.«

9 »Aber wie geschieht so etwas?«, fragte Nikodemus.

10 Jesus antwortete: »Du bist ein angesehener Lehrer Israels, und trotzdem weißt du das nicht?

11 Ich versichere dir: Wir reden nur von dem, was wir wissen und gesehen haben, und erzählen es weiter. Doch ihr wollt unseren Worten nicht glauben.

12 Aber wenn ihr mir nicht einmal glaubt, wenn ich euch von Dingen erzähle, die hier auf Erden geschehen, wie werdet ihr mir dann glauben können, wenn ich euch sage, was im Himmel geschieht?

13 Es ist noch nie jemand in den Himmel hinaufgestiegen, bis auf den Menschensohn,2 der vom Himmel herab auf die Erde gekommen ist.

14 Und wie Mose in der Wüste die Bronzeschlange auf einem Pfahl aufgerichtet hat, so muss auch der Menschensohn an einem Pfahl3 aufgerichtet werden,

15 damit jeder, der glaubt, das ewige Leben hat.

16 Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern das ewige Leben hat.

17 Gott sandte seinen Sohn nicht in die Welt, um sie zu verurteilen, sondern um sie durch seinen Sohn zu retten.

Mittlerweile sind viel Jahre vergangen. Niemals in meinem Leben habe ich diese Entscheidung bereut. Es gab schwere Zeiten, da stellte ich Gott in Frage, aber immer wieder kam ich zu der Erkenntnis, dass wenn nicht mit Gott, wie denn ohne Gott? Ein Leben ohne Jesus und der Beziehung zu ihm kann ich mir nicht vorstellen. Er ist immer da, auch wenn ich nicht da bin.

Bis heute sind Karin und ich befreundet, auch wenn wir mittlerweile mehr als 700 km weit entfernt wohnen. Für immer werde ich ihr und ihrer Familie dankbar sein für das, was sie für mich getan haben. In Gesprächen werten sie dies als Kleinigkeit ab, aber wenn sie nicht gewesen wären…

Karins Vater ist mittlerweile gestorben, er darf das schauen, was er geglaubt hat und ich freue mich, ihn eines Tages wieder zu sehen. Dann werde ich ihm sagen: „Ich habe Jesus auf der Erde vor den Menschen bekannt, und jetzt kennt er mich vor Gott seinem Vater, ich danke dir dafür, dass du dazu beigetragen hast.“