„Du führst ein echtes Luxusleben meine Liebe“, kommentierte Beate meinen Status bei WhatsApp vor zwei Wochen. Ich war zusammen mit meiner Freundin C. bei der Vorstellung der Theateraufführungen für die kommende Saison. Eigentlich sollte mein Mann da noch mit, schließlich gehe ich dann mit ihm ins Theater. Aber der hatte keine Lust.

Lust hatten wir zwei eigentlich auch nicht. Die Veranstaltung fing spät an, es war total mieses Wetter, und eigentlich wäre das Sofa zu Hause gemütlicher. Es war schon ein Aufraffen. Aber so ist das manchmal. Hin und wieder müssen wir uns etwas aufraffen, um ein bisschen Luxus zu genießen.

Wenn ich genau hinschaue, dann genieße ich schon ziemlich viel Luxus. Mit meinen fast 53 Jahren bin ich noch ziemlich fit und gesund, darf in einem großen Haus mit noch größerem Garten wohnen, bin seit fast 32 Jahren mit einem Mann verheiratet, den ich immer noch liebe, habe vier wundervolle Kinder, mit denen wir eine außerordentlich gute Beziehung haben. Ich bin aktives Mitglied in einer lebendigen und wachsenden Kirche, bei der ich nicht nur die Gottesdienste sondern die Beziehung untereinander schätze. Ich bin erfolgreich in meinem Job und bekomme immer wieder neue Ideen für neue Projekte. Ich pflege wertvolle Freundschaften und genieße mindestens einmal jährlich Urlaub im Süden. Ich lebe eine intensive Beziehung zu Gott meinem Schöpfer und wenn ich jetzt noch weitermache, dann werde ich mit Blogschreiben gar nicht mehr fertig.

Luxus pur würde ich das nennen. Bei all dem Luxus stecke ich aber auch mitten in meinen Herausforderungen, 32 Jahre Ehe war nicht immer nur verliebt sein, die Kinder fordern mich auch, das Haus und der Garten muss versorgt werden, unsere Kirche war nicht immer so, wie sie jetzt ist. Mir sind Freundschaften zerbrochen, und wir haben so manchen Verlust erlitten. Ich bin nicht immer gesund, und auch nicht immer motiviert. Bei mir stapelt sich manchmal die Arbeit bis unter die Decke, und die Bügelwäsche erledigt sich auch nicht von alleine.

Zum Luxus könnte man sich einfach entscheiden. Nämlich das Leben als Herausforderung aber auch Chance anzunehmen. Jeden einzelnen Moment zu genießen. Egal ob im Theater oder bei Aldi an der Kasse.

Apropos Aldi: Da hab ich heute noch die restlichen Sachen für unser Luxusfreundinnenwochenende gekauft.

Luxus würde für die eine jetzt ein 5-Sterne-Wellness-Hotel bedeuten. Bei uns ist Luxus dieses Wochenende, vegetarische und einfache Kost im Naturfreundehaus, mit Duschen und Klo auf dem Flur. Die Wanderung könnte ins Wasser fallen, aber wer weiß, vielleicht läuft es sich auch mit Schirm gut. Luxus ist immer dann, wenn ich Luxus denke.

Und jetzt geh ich mal in den Keller und bügele noch ne Runde. Macht ja sonst auch keiner hier 😉

hm