Sitze zwei Tage hintereinander im Zug und habe mehrere Begegnungen:

Zug 1: Ein Mann sitzt neben mir, der scharf die Luft einzieht, weil ich zu laut auf der Tastatur schreibe. Es sei schließlich ein Ruheabteil. Ich tippe superleise weiter.

Zug 2: Mehrere freundliche Herren sind mir behilflich meinen Koffer auf die Ablage zu heben, obwohl ich nicht einmal gefragt habe.

Zug 3: Ich sitze mit vier anderen Fahrgästen in einem Abteil und die Stimmung ist nur herzlich und nur ausgelassen. Wir alle erzählen, sind freundlich, bieten uns gegenseitig unsere Früchte an und sind am Anderen interessiert. Die ältere Dame ist Lehrerin und unterwegs zu einer Kunstmesse in Holland. Das Pärchen hat Hochzeitstag und fährt spontan nach Hamburg. Und ist ganz aufgeregt, weil Bahnfahren nicht zum Alltag gehört. Der junge Mann erzählt davon, dass er gerade Single geworden ist, schon viel gereist sei, aber das mit Familie eben auch toll sei. Ich höre immer mal wieder zu, arbeite ein bisschen nebenbei und beteilige mich mit an den Gesprächen. Ich verleihe meine Airpods, und alle sind begeistert, vom Klang, vom Tragekomfort, und dass ich die Teile verleihe. Als ich den Zug verlasse gibt es ein herzliches Verabschieden.

Zug 4: Ein Mann sitzt neben mir, sein Handy klingelt und er murmelt in sein Telefon, er müsse das Abteil verlassen, da es sicherlich jemanden störe, wenn er telefoniere. Ich murmele ihm zu, dass es mich nicht störe. Er schaut mich sehr dankbar an.

Zug 5: Eine nett wirkende Dame sitzt vor mir und plaudert ununterbrochen fröhlich und laut vor sich hin und versucht mich in ein Gespräch zu verwickeln. Ich nicke hin und wieder sehr nett, gebe die ein oder andere freundliche Antwort, bin allerdings in meine Arbeit vertieft. Irgendwann setzt sich ein älteres Paar zu uns, die Dame, die dann im Laufe der Fahrt ziemlich viel an allen möglichen Dingen auszusetzen hat, hat neue Gesprächspartner und ich bekomme meine Arbeit erledigt. Später dann, verwickelt mich das ältere Paar in ein Gespräch. Als ich aussteige suchen sie mich durch das Fenster und wir winken uns noch zu.

Begegnungen hinterlassen immer einen Eindruck, bei dir und bei deinem Nächsten.

Ich frage mich, welchen Eindruck ich hinterlasse.

hm