Archive für September 2010

Hochzeitspläne


Meinem Mann fällt heute ein, dass Manuel gerade genau so alt ist, wie ich damals war, als wir uns kennenlernten. Drei Monate haben wir gebraucht um zu wissen, dass wir es ernst miteinander meinen. Einen Tag, nachdem wir „offiziell“ zusammenwaren fragte mich mein Mann, ob ich ihn heiraten will. Ein Jahr später standen wir vorm Traualtar.

23 Jahre später könnten wir es uns im Leben nicht vorstellen, dass unser Sohn mit einer Freundin nach Hause kommt, die er nächstes Jahr heiraten will. Ich weiß gar nicht mehr so genau, wie unsere Eltern damals reagierten. Mittlerweile allerdings haben sie sich wohl beruhigt.

hm

Klavierstunde


Völlig aufgeregt zappelte meine Süßmaus gestern den ganzen Tag hin und her. Sie sollte ihre erste Klavierstunde haben. Mit Julians altem Notenbuch in der Tasche konnte sie es kaum erwarten, endlich bei der Klavierlehrerin anzukommen. Ich hatte gar nicht drüber nachgedacht, dass mich Frau B. aufforderte, ruhig in der ersten Stunde dabei zu bleiben. Sofort kamen die Erinnerungen an Julian in mir hoch. Ich war mir nicht sicher, ob ich das emotional aushalte. Aber auch Joana wollte, dass ich bleibe.

Vor zehn Jahren saß ich jedesmal dabei, wenn Julian seine Unterrichtsstunde hatte. Ein Nachhause Fahren lohnte sich nicht. Völlig fasziniert beobachtete ich damals diese kleinen Finger, die die Klaviatur rauf und runter tanzten. So viel Freude machte mir schon alleine das Zuschauen, dass ich selbst Lust bekam Klavier zu lernen. Julian hat mich quasi zum Klavierspielen gebracht. Und auch das Notenbuch ist mit seinem Namen versehen.

Erinnerungen, die uns immer wieder ins Bewusstsein rufen, dass da noch ein Kind war.

Ich hab den Unterricht völlig ohne Tränen nur mit dieser schönen Erinnerung an meinen Sohn überstanden.

Und ab sofort übt wieder ein kleines Kind täglich mindestens 15 Minuten die Tonleiter rauf und runter.

hm

Disziplin ist die Fähigkeit, sich zu merken, was man will


Ich hatte mir gut gemerkt, dass ich diese Woche viermal joggen wollte. Bin schon wieder zurück.

hm

Vom Sitzen


Ob ein Hintern vom vielen Sitzen wohl breiter wird, frage ich mich heute tatsächlich. Seit Wochen komme ich kaum vom Stuhl hoch, bin nur am Schreiben, Schreiben und Schreiben. Und schreibe ich mal nicht, sitze ich am Tisch und esse. Ich weiß noch, wie das Wort Bewegung geschrieben wird, und alle zwei Tage überwinde ich mich zum Joggen, aber das war’s auch schon.

Nur noch ein paar Tage. Ende der Woche habe ich Abgabetermin, und dann hat die Sitzerei ein Ende……fast, denn vor mir liegen fünf Vorträge und eine Andacht für ein Andachtsbuch die ausgearbeitet werden müssen. Oktober und November werden Reisemonate, und wieder sitze ich…..im Auto. Aber zumindest bei meinen Vorträgen darf ich stehen.

hm

Endlich mal eingelöst


Vier lange Jahre lag der Gutschein für ein 5- Gänge Vorspeisenmenu jetzt schon in unserer Schublade. Das Restaurant war einfach zu weit weg, als das wir da mal eben hinkamen. So oft gehen mein Mann und ich nicht essen, und wenn, dann ist es unser Lieblingsrestaurant um die Ecke. Nachdem uns gestern ein Termin geplatzt ist, habe ich morgens den Tisch reserviert.

Und wie bitteschön plant man so einen Abend ein, wenn man eigentlich dabei ist, ein paar Pfunde für die etwas zu eng gekaufte Hose zu verlieren? Ich hatte keine Ahnung was es gab. Mein Vorsatz, nicht mehr als einen Teller voll zu essen lässt sich bei einem 5- Gänge-Menu schlecht realisieren. Also gab’s mittags nur zwei Teller voll Tomatencremesuppe.

1 kleine Dose Tomaten, die gleiche Menge Wasser, Vegeta, Salz, etwas Süßstoff in den Thermomix, 10 Minuten kochen, mit 1 EL Saure Sahne pürieren.

Abends erfuhren wir dann, was unter Vorspeisenmenu gemeint ist. 5 Gänge in Miniportionen.

Salatbouquet mit gebratenen Garnelen

Zanderfilet auf Rahmsauerkraut mit Würfelkartöffele

Wachtelbrüstchen an feinen Pfifferlingnüdele

Medaillon vom Kaninchenrücken auf Blattspinat und Kirschtomätle

Rinderfilet mit Sauce bearnaise auf frischen Böhnchen mit Kartoffelkroketten

Es war sehr köstlich und alles zusammengequetscht hätte locker auf einem Teller Platz gehabt. Das mit der Suppe war dennoch klug. Es gab noch Sekt und einen Nachtisch.

hm

Ausreden und Vorsätze


Diese Frage stelle ich mir fast jeden Morgen. Leider falle ich auch heute noch nicht morgens automatisch in meine Laufschuhe und renne los. Trampolinspringen fällt mir dagegen wesentlich leichter. Da ich aber was meine Bewegung angeht gerne etwas Abwechslung habe, und auch die frische Luft genieße, jogge ich seit zwei Wochen wieder regelmäßig. Ich hätte allerdings einige Ausreden für heute parat:

Es sieht nach Regen aus.

Ich muss ein Kapitel für „Biblisch kochen“ fertig schreiben.     

Ich habe eine Blase am Fuß.

Die Wäsche müsste gebügelt werden.

Ich habe keine Lust.

Mit einer Freundin habe ich heute eine Stunde am Telefon gequatscht.

Und dann bin ich doch gelaufen. Schließlich habe ich am Mittwoch in meinem Treffen den Vorsatz gefasst, viermal die Woche zu Joggen. Und ich will mich nicht blamieren. Vorsätze in Worte zu fassen und sie vor anderen auszusprechen scheint keine schlechte Motivationshilfe zu sein.

hm

Kluge Neuheit oder teurer Schnickschnack


„Liebe Heike, hier ein kleines Geschenk ohne Anlass.“ Typisch K. denke ich, als der Postbote ein kleines Päckchen mit dem Absender meiner Freundin aus Bremen in der Hand hält. Hin und wieder bekomme ich kleine Überraschungen, meistens tatsächlich ohne Anlass. So ist sie, meine K.

Diesmal konnte ich es allerdings nicht fassen. Ein knalloranges Silikonetwas liegt auf dem Tisch, während ich das Prospekt und ihren Brief dazu lese. „Hab ich auf der Haushaltsmesse gekauft. Zweimal, einmal für dich und einmal für mich. Keine Ahnung ob es sich um eine kluge Neuheit oder teuren Schnickschnack handelt.“

Ich google das Teil sofort und falle fast rückwärts vom Stuhl als ich den Preis erfahre. Also ICH wäre in der Lage so etwas zu kaufen, aber meine Freundin K.??? Sie ist das absolute Musterbeispiel von überlegten Handlungen. Niemals entscheidet sie irgendetwas aus dem Bauch heraus. Sie ist absolut werberesistent, trifft kluge, rationale Entscheidungen, die sie vorher gut abwägt. Sie lässt sich niemals irgendetwas aufschwatzen, ihre Küchengeräte kann man an einer Hand abzählen. Ich habe es noch nicht geschafft, sie vom Thermomix zu überzeugen. Sie ist Beamtin des gehobenen Dienstes, das sagt wohl alles.

„Man kann es zum Kochen von Milch und Milchreis benutzen, nichts kocht über…“,  lese ich auf dem Beilagenzettel.

Mir kocht keine Milch über, ich hab einen Thermomix, der auf 90 C° eingestellt werden kann. Ich überlege fieberhaft, wofür ich das Teil verwenden könnte.

Und dann, probiere ich die Neuheit doch aus. Und bin begeistert. Zum Nudelkochen genial, nicht ein Tropfen Wasser sprudelte daneben. Heute bei den Maiskolben dasselbe.

K. du bist genial, ich brauchte das Teil, unbedingt.     

hm                                                                                                       

Zwei Bäuche


„Na mein Dicker.“, klopfe ich meinem Mann auf seinen Bauch und grinse.

„Soll ich das bei dir auch machen?“, fragt er und klopft auf meinen Bauch.

Wir sind uns einig, dass beide schon mal flacher waren. Wir könnten das aufs Alter schieben, aber wir wissen schon, dass es andere Ursachen hat. Nur mit dem Alter hat man nicht mehr ganz so den Anspruch einen Waschbrettbauch zu haben.

 

Dennoch frage ich ihn: „Geh doch mit mir joggen.“

 

Er: „Ach, so schlimm ist es doch nicht.“

 

hm

Selbst ständig


Wer selbstständig ist muss sich selbst ständig organisieren und disziplinieren. Man muss morgens nicht pünktlich bei der Arbeit sein und hat nachmittags keinen Feierabend. Alle Aufgaben müssen geplant und diszipliniert abgearbeitet werden. Alle Eventualitäten müssen mit einkalkuliert werden, Pufferzeiten sind nötig, um nicht in Verzug zu geraten. Die Zeiten, in denen ich an meinem neuen Buch „Biblisch Kochen“ schreibe, stehen dick und fett in meinem Terminplaner. Und tatsächlich bringt mich fast nichts davon ab zu schreiben. Außer das ständige Telefonklingeln, der plötzliche Besuch einer Freundin, die Turnschuhe, die darauf warten benutzt zu werden, die Geburtstagsfeier meiner Tochter und 1000 andere Kleinigkeiten.

 

Und dennoch bin ich absolut im Plan, und es macht mir einen riesen Spaß. Irgendwie ein kleines Wunder.

 

hm

Vom Entzug zur Freiheit


Ein interessanter Gedanke kam mir heute während der Predigt meines Mannes.

 

Für einen Drogenabhängigen besteht die größte Schwierigkeit nicht in dem Entzug, sondern im Verändern des Umfeldes, um nicht wieder rückfällig zu werden. Der Entzug ist zwar mit Schmerzen verbunden, die ersten Tage sind besonders schlimm, aber nach ein paar Tagen ist das Schlimmste überstanden. Körperlich clean bedeutet jedoch nicht geistig und seelisch clean. Die Therapie später, das Erlernen mit sich selbst und dem Leben klar zu kommen auch ohne Drogen, das Fernbleiben der alten Umgebung sind die wahren Herausforderungen. Erst wenn diese überstanden sind, gibt es eine Chance für einen Neubeginn.

 

Ist es nicht mit unserem Essverhalten ähnlich? Die Diät ist nicht das wirklich Schlimme, das hält jeder einmal ein paar Wochen durch. Das Verinnerlichen der neuen Gewohnheiten, das Ablegen alter Verhaltensweisen und das disziplinierte Durchhalten der eigenen Regeln helfen uns letztendlich erst, ein normales Essverhalten zu erlangen.

 

hm