Ein krankes Kind


 Ich bin dankbar, dass meine Kinder so selten krank sind. Vielleicht muss das auch so sein, denn ich kann es kaum ertragen. Seit Julians Tod lauert da eine Angst in mir, es kann immer wieder passieren. Nur unter großer Anstrengung kann ich das an Gott abgeben, kann ihn bitten, dass er mir diese Furcht nimmt.

Manuel kam am Samstag noch nach der Arbeit zum Stadtfest, leichenblass. „Mir ist total schlecht.“ Er blieb nicht lange und fuhr bald wieder nach Hause. Mitten in der Nacht kamen wir nach Hause, ich stehe an seinem Bett, er wird wach und sagt mir, dass er sich schon ganz früh hingelegt hat, dass ihm immer noch ganz schlecht ist.

Der Junge hat eine Magen-Darm-Grippe aber ich denke gleich an Schlimmeres. Und weil er so pflichtbewusst ist, schleppt er sich Sonntag sogar noch ins Hotel. Selbst gestern nahm er mir den Einkauf ab und fragte immer wieder, ob er etwas für mich tun kann. Dabei konnte er kaum gerade stehen. Heute ging gar nichts mehr und ich musste ihn krank melden. Ich kann mich nicht erinnern, dass Manuel jemals auch nur einen Tag in der Schule wegen Krankheit versäumt hat. Er weiß gar nicht so richtig was „krank sein“ bedeutet. Aber eins weiß er, und das hat er mir gestern auch gesagt:

„Mama, für dich ist es viel schlimmer, dass ich krank bin, als für mich. Du machst dir viel mehr Sorgen als es mir schlecht geht.“

Wie wahr.

hm

Antwort schreiben