Archive für 7.3.2008

Halbe Kraft voraus

Nachdem ich gerade mal wieder einen Blog-Eintrag vom November gelesen habe, in dem ich mir vorgenommen hatte, mit kleinen Etappenzielen mein Tempo zu reduzieren, bin ich mal wieder so weit, dass auch zu tun. „Du arbeitest auf zu vielen Baustellen.“ So ein Ausspruch einer Freundin, die mich gestern kurz besucht hatte. „Du bist dünn geworden und siehst ziemlich mitgenommen aus.“ Und sie hat natürlich Recht. So sind wir Frauen, uns gehen 100 Dinge gleichzeitig durch den Kopf und das macht mich gerade wahnsinnig. Ständig fliegt mich ein Gedanke an, den ich nicht abschütteln kann. „Hab ich die Rechnung überwiesen, hab ich die Bestellung weggeschickt, das Gespräch mit der Versicherung, was koche ich heute, wann schreibt welches Kind eine Arbeit, ist die Wäsche gewaschen, ich muss Manuel von der Schule abholen, Elternsprechtag mit Joana, was für ein Termin steht an…………?“ Ich erwische mich dabei, dass ich mich manchmal nicht mehr vernünftig konzentrieren kann, weil ich zu viele Dinge gleichzeitig im Kopf habe, und zu viele Aufgaben erledigt werden müssen. Vlado hat mir angeboten heute Nachmittag in den Teeladen zu gehen, damit ich mal so richtig Zeit für mich habe. Süß von ihm, aber das hilft mir nicht wirklich. Die Kinder sind ja zu Hause, und wie könnte ich mit gutem Gewissen einen Nachmittag für mich genießen, während meine Kinder sich selbst überlassen sind. Und die Hausarbeit wird dann auch nicht gemacht. Mittlerweile weiß ich allerdings schon, wann und wie ich die Notbremse ziehen muss. Wenn ich zu lange DPD-Mann war dann muss ich mich dazu zwingen Postbote zu werden (um das zu verstehen muss man Beates blog-Eintrag von vorgestern lesen)  

Gestern war es dann soweit. Schriftkram und Wäsche stand auf meiner Liste. Den Schriftkram habe ich geschafft, die Wäsche liegt noch im Keller. Dafür habe ich mir bei dem schönen Wetter meine Tochter geschnappt und wir sind zu Fuß nach Oberkirch spaziert. Sie mit dem Fahrrad, ich zu Fuß. Irgendwann ist ihre Kette abgesprungen und sie musste schieben. Aber wir zwei haben die Zeit genossen. Das Fahrrad nach einer Stunde Marsch im Teeladen abgestellt, haben wir uns ein Eis in der Eisdiele gegönnt. Und dann ist das gute Gefühl da, die Prioritäten richtig gesetzt zu haben. Heute Morgen schaffe ich dafür die Wäsche und setzte mich dann auch endlich an den Anfang unseres Buches. Während ich auf meinen eigenen Baustellen arbeite, fallen mir so viele gute Möglichkeiten ein, die ins neue Buch kommen. Ist es nicht so, dass man am Besten über die Dinge schreiben kann, die man selbst eben auch schon erlebt hat? Nicht umsonst haben Beate und ich ein Buch über das „Leichter Werden“ geschrieben, weil wir selbst in diesem Bereich immer wieder herausgefordert werden. Und vielleicht müssen wir auch dieses Buch schreiben, weil wir selbst mitten drin stecken, und dennoch schon ein bisschen gewachsen sind. Kleine Flügel haben wir schon, nur manchmal, da fliegen wir zu hoch.

hm

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